Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi (OT: Star Wars: The Last Jedi)

Ach, wie gerne hätte ich mich meinem Kollegen Stefan seiner Stars-Rezension von „Star Wars – Die letzten Jedi“ angeschlossen, aber so ganz kann ich mich bei den positiven Worten nicht einklinken. Ich sehe nicht, dass die Macher nach dem zusammen geklauten letzten Teil aus Episode IV und V neues Terrain wagen, so dass ich es nicht einfach bei einem Kommentar belassen und die 8/10 als bisherige einzige Forum-Wertung stehen lassen möchte…

Da Stefan auf die Rahmenhandlung schon eingegangen ist, werde ich mal auf das Vorgeplänkel verzichten und gleich zum Eingemachten kommen. [Kleine Spoiler können enthalten sein, auch wenn der Autor versucht diese zu umgehen!]

Der Konflikt von Ben Solo ist meines Erachtens 1:1 derselbe von Darth Vader, sprich dem Imperator zu folgen und sein eigen Fleisch und Blut zu Töten, wenn dieser sich nicht zur dunklen Seite der Macht bekehren lässt oder sich selbst gegen die dunkle Seite der Macht zu stellen und seinem Sohn Luke am Leben zu lassen. In diesem Fall ist Snoke der Imperator, Rey Luke und Kylo Ren Darth Vader. Auch wenn Adam Driver eine bessere Figur macht wie in Episode VII, ist er für mich und den größten Teil der Fans weit davon entfernt eine starke Figur zu verkörpern bzw. gar ein großer Bösewicht zu sein. Ich frage mich ganz ernsthaft was für einen Mehrwert die neue Trilogie haben soll oder ob es nur noch um Geldmacherei geht!

Positiv anzumerken ist unbestreitbar, dass Supreme Leader Snoke bessere visuelle Effekte bekommen hat und nicht mehr so amateurhaft animiert aussieht wie noch im Vorgänger „Das Erwachen der Macht„. Was an Optik wett gemacht wird, büßt Snoke an Logik und Clevernis ein. Denn dafür, dass er angeblich die Gedanken von Ben Solo lesen konnte, wie er mehrfach betont hat, hat er sich dann doch etwas kurzsichtig verhalten. Leider schaffen es die Autoren nicht in dieser Schlüsselszene etwas mutiges und düsteres zu wagen. Hier hätte es ruhig etwas „düster“ ausgehen können. Stattdessen setzt man lieber auf altbewährtes und natürlich auf kleine Kuscheltiere, die Disney in möglichst hohen Stückzahlen verkaufen möchte, anstelle ein neues Volk einzuführen, dass der Geschichte vielleicht dienlicher gewesen wäre.

© The Walt Disney Company Germany GmbH

Das Mark Hamill mal der größte Vorzug eines Star Wars-Teils sein würde, hätte ich mir selbst nicht zu träumen gewagt – wurde er darstellerisch doch eher immer belächelt. Entweder liegt es am mittelmäßigen Gesamteindruck oder er liefert wirklich eine starke Performance ab. Es war natürlich vorauszusehen, dass er für Rey in die Obi Wan-Mentor-Rolle schlüpfen würde, die mir ihre Lektionen zu schnell absolvierte und zu schnell zum Jedi wurde, aber schwamm drüber, wir wussten ja alle, dass es eh so kommen würde.

Ich will auch nicht alles mies reden, dass ist es nicht. Er fühlt sich auch nicht so schlecht an wie der direkte Vorgänger, aber er hat meine restliche Hoffnung im Keim erstickt, dass da noch einmal was unerwartetes im Star Wars-Kosmos passieren könnte – was ich sehr schade finde, denn ich mag die Ur-Trilogie wirklich gerne und bin auch kein richtiger Hasser der Episoden I-III.

Unterm Strich bleibt ein netter Fantasy-Unterhaltungsfilm, der trotz der altbekannten Themen und Figuren nur bedingt Star Wars-Feeling aufkommen lässt. An den neuen Figuren stört mich vor allem die Political Correctness: Die Führung des Widerstandes muss natürlich von Frauen besetzt sein. Ich halte Laura Dern für eine vorzügliche Darstellerin, aber sie passt einfach nicht in einen Star Wars-Film. Dasselbe gilt für Benicio del Toro. Da kann ich mich nicht mit anfreunden. Ganz zu schweigen von Rose – der Quotenchinesin – und Finn – dem Quotenschwarzen -, die in einer schwächelnden, gar unnötigen Nebenhandlung verwurstet werden.

Warum sie Prinzessin Leia nicht haben sterben lassen ist mir indes schleierhaft. Das hätte nicht nur tolle Szenen gegeben, man hätte den hitzköpfigen Meuterer Poe aus dem Schatten seiner Mentorin treten lassen können und auch Kylos Charakter weiterentwickeln können, der sicher ein anderes Verhältnis zu seiner Mutter hatte, als zu seinem Vater. Wieder eine Chance vertan, den Charakter sinnvoll rauszuschreiben. Nun sind sie durch Carrie Fishers Tod gezwungen dies im neuen Teil zu tun. Vermutlich weniger innovativ, sehr vorhersehend und natürlich sehr ehrenvoll. Gähn! Vorher wird es natürlich noch einen Han Solo-Film geben, den die Welt nicht braucht, aber den Disney natürlich macht, um die Star Wars-Kuh noch fleißig abzumelken.

© The Walt Disney Company Germany GmbH

Apropo: Luke lebt im Exil um Milch von den seltsam anmutenden Seekühen zu trinken und sich als Schwertfischer zu betätigen? Ernsthaft? Ach ja, dass tut man ja inzwischen um den Marveltypischen Humor für die Masse einzubauen. Das dies nicht so recht ins Star Wars-Universum passt, wird schon keinem auffallen. Immerhin kann sich das Setting vom Wasserplaneten Ahch-To sehen lassen, dass wird schon positiv ins Gewicht fallen!

Seien wir mal ganz ehrlich, die Saga endete mit Episode VI. Die neue Trilogie ist so belanglos und eine schamlose Kopie der Original-Trilogie (VII = IV+V und VIII = V+VI), dass es schon traurig ist, dass damit Disney so viel Kohle scheffelt und dass das Erbe der Saga damit auch noch auf Dauer beschädigt wird, scheint auch keiner der Studiobosse oder der Kritiker wirklich zu interessieren. Die kritischen Fanstimmen werden schon irgendwann verstummen, denn solange die Masse sich mit endlosen Remakes und innovationslosen Fortsetzungen zufrieden gibt, werden die Studios weiter auf Nummer sicher gehen und Mittelmaß produzieren und es damit den Visionären weiterhin schwer machen!

USA 2017 – 152 Minuten
Regie: Rian Johnson
Genre: Science-Fiction
Darsteller: Daisey Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Adam Driver, Mark Hamill, Carrie Fisher, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Laura Dern, Benicio del Toro