Alle Beiträge von Stefan

Maria Magdalena (OT: Mary Magdalene)

In Gestalt von „Lion“ gelang dem aus Downunder stammenden Garth Davis mit seinem Spielfilmdebüt ein regelrechter Bilderbuch-Start, das im vergangenen Jahr sechs Oscarnennungen auf sich vereinen konnte. Unmittelbar danach traute er sich nun an ein weitaus weniger kinotaugliches, ungeahnt gottesfürchtiges Sujet, an dem sich schon viele Filmschaffende vor ihm verhoben haben und widmete seine zweite Regietätigkeit der vielleicht meistdiskutierten Person des Neuen Testaments… Maria Magdalena (OT: Mary Magdalene) weiterlesen

Call Me By Your Name

Bereits im Rahmen des 33. „Sundance Film Festivals“ in Salt Lake City erstmals einem ausgewählten Publikum präsentiert, gelang es der Literaturverfilmung „Call Me By Your Name“ im Gegensatz zu den meisten anderen, dort uraufgeführten Independent-Filmen für mehr als ein Dreivierteljahr in den Köpfen der Academy-Mitglieder zu verweilen und letzten Endes vier Nominierungen einzuheimsen. Das Coming-of-Age-Drama um zwei junge Männer inmitten eines Sommerurlaubs in Bella Italia schrieb insofern Oscargeschichte, als dass Drehbuchautor James Ivory die Trophäe als ältester, jemals ausgezeichneter Filmschaffender aller Zeiten entgegennehmen konnte, während der von Kritikern regelrecht vergötterte Hauptdarsteller zum jüngsten nominierten Herren in dieser Sparte seit annähernd 80 Jahren avancierte… Call Me By Your Name weiterlesen

Shape Of Water – Das Flüstern Des Wassers (OT: The Shape Of Water)

Mit dreizehn Oscarnominierungen nebst sieben Nennungen im Rahmen der Golden-Globe-Verleihung und einem dutzendfachen Zuspruch von Seiten der britischen Academy lief „Shape Of Water“ seiner filmischen Konkurrenz in quantitativer Hinsicht regelrecht davon und generierte immense Erwartungen. Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro Gómez schnupperte bereits vor zwölf Jahren mittels „Pan’s Labyrinth“ erstmals Oscar-Luft und charakterisierte seine inzwischen zehnte Leinwandproduktion selbst als seinen bisher persönlichsten Film und eine besondere Herzensangelegenheit. Ebendiese Selbsteinschätzung mutete vorab nicht nur als interessant an, sondern im Nachhinein sogar als verwunderlich, da die gebotene Geschichte rund um die Annäherung eines Menschen und einer Amphibiengestalt geradewegs in die Richtung eines modernen Märchens für ein erwachsenes Publikum driftet, das in vielen Belangen kaum unkonventioneller und symbolistischer hätte geraten können und dennoch sowohl den unverkennbaren Geist Jahrzehnte alter Hollywoodklassiker involviert als auch gesellschaftliche Relevanz aufzeigt.

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Die Verlegerin (OT: The Post)

„Die Presse dient nicht den Regierenden, sondern den Regierten.“ So lautet einer der wohl markantesten Sätze inmitten von Steven Spielbergs inzwischen 33. (!) Regiearbeit auf Kinoebene, welcher den Grundtenor des tatsachenbasierten Werks rund um die Veröffentlichung der brisanten „Pentagon Papers“, das von Seiten des „National Board Of Review“ den prestigeträchtigen Hauptpreis erhielt und obendrein sechs Golden-Globe-Nennungen generieren konnte, treffend zusammenfasst. Der Zuspruch der Academy-Mitglieder hielt sich jedoch in äußersten Grenzen, denn angesichts von nur zwei Oscarnominierungen blieb „Die Verlegerin“ weit hinter den allseitigen Erwartungen zurück. Nicht nur wegen dieser Divergenz erfüllte einen die Inaugenscheinnahme mit einer gewissen Neugier, sondern auch aufgrund des ersten direkten Aufeinandertreffens der Schauspiel-Giganten Tom Hanks und Meryl Streep vor der erstklassig geführten Kamera. Im unverkennbaren Stil einer geschichtsaufarbeitenden Studie mit Dokumentationscharakter inszeniert, vermag das dialogreiche Historiendrama vor allem Politikinteressierte anzusprechen und zeichnet sich dabei durch eine ungewohnt ruhige Hand nahezu sämtlicher Beteiligter aus.

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The Big Sick

Aktuellen soziologischen Forschungen zufolge wird auf unserem Planeten sage und schreibe jede vierte Ehe familiär arrangiert, größtenteils betrifft dies die multiethnisch zusammengesetzten Länder Indien, Pakistan und Bangladesch, aber auch Staaten mit überwiegend muslimischer Bevölkerung. Freilich erscheint diese kulturell tief verwurzelte Praxis aus mitteleuropäischer Perspektive her nicht nur antiquiert, sondern auch unvorstellbar, dennoch hat nicht erst die Flüchtlingsdebatte dazu beigetragen, sich mit ebendieser weitreichenden Wertevorstellung auseinanderzusetzen. Ebendiese gewinnbringende Diskussionsbasis macht sich Michael Showalter in seiner erst zweiten Regieführung auf Leinwandebene im Zusammenspiel mit einem tatsachenbasierten, charmanten Originaldrehbuch zunutze und bebildert in „The Big Sick“ eine unmittelbar aus dem Leben gegriffene Story, die nicht von ungefähr von Seiten der Academy bedacht worden ist und sich in angenehmer Weise vom Sammelsurium an baugleichen Komödienkonstrukten mit scheinbarem Lebensweltbezug abhebt.

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Greatest Showman (OT: The Greatest Showman)

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Satte drei Golden-Globe-Nennungen, und ein rentables Einspielergebnis nebst euphorischem Publikumstenor standen in direktem Kontrast zur vernichtenden Einschätzung zweier geschätzter Kollegen dieses Forums sowie einer recht mageren Ausbeute von nur einer, noch dazu beinahe obligatorischen Nominierung für den „Besten Song“ von Seiten der Academy. Angesichts dieser augenscheinlichen Ambivalenz gestaltete sich die Sichtung des ersten Musicals seit Längerem im Vorfeld als besonders spannend. Das ambitioniert choreografierte Regie-Debut des Australiers Michael Gracey, welcher bis dato ausschließlich visuelle Effekte kreierte, beschäftigt sich mit dem Leben des berühmten Schaustellers und Zirkuspioniers Phineas Taylor Barnum (1810 – 1891) und unternimmt den augenscheinlichen Versuch, auf den erfolgreichen Pfaden anderer Erfolgsproduktionen wie „Moulin Rouge!“ wandeln zu wollen. Doch schon nach kurzer Zeit offenbart sich anhand von „Greatest Showman“, dass die im starren Gute-Laune-Modus laufende, überzuckerte Inszenierung ebendiese Zielsetzung bei Weitem verfehlt und dem im Filmtitel explizit verwendeten Superlativ nur in Ansätzen gerecht zu werden vermag…

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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Gemessen am bescheidenen Budget von gerade einmal 12 Millionen US-$ und einem Pensum von lediglich 30 (!) Drehtagen ist das Werk mit dem sperrigsten Titel der Saison fast schon in die Gattung eines Independent-Films einzuordnen, zieht jedoch im Hinblick auf die relative Anzahl an Honorierungen unzähliger Filmverbände vielfach an seiner kostenintensiv gefertigten Konkurrenz vorbei. Die bereits im Rahmen der Filmfestspiele von Venedig urveröffentlichte, inzwischen dritte Regieführung des gebürtigen Iren Martin McDonagh generierte zunächst Erwartungen an einen wenig involvierenden Kriminalfilm nach altbekannten, typisch amerikanischen Denkmustern, doch genau unter dieser Prämisse weiß „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ aufgrund seiner Skurrilität und Tragik gleichermaßen zu entwaffnen, provozieren und unterhalten. Was anhand des filmischen Resultates in erster Linie bleibt, ist die nachwirkende Erkenntnis, niemals ausschließlich anhand der Sichtung des Trailers voreingenommen zu urteilen und, dass sich Leinwandproduktionen gerade dann als besonders veritabel erweisen, wenn der herausfordernde und oft misslungene Spagat zwischen zwei scheinbar gegensätzlichen Genres gelingt.
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Die dunkelste Stunde (OT: Darkest Hour)

In dieser Saison mutet die Diskrepanz zwischen den US-amerikanischen und den deutschen Kinostartterminen hinsichtlich der potentiellen Anwärter auf den wichtigsten Filmpreis der Welt ungewöhnlich, beinahe schon quälend lang an. Spätestens jetzt, pünktlich zur dicht bevorstehenden Verkündung der diesjährigen Nominierten füllen sich die Spielpläne der hiesigen Lichtspielhäuser jedoch endlich spürbar mit namhafteren Produktionen. Nach dem fast schon experimentierfreudig inszenierten „Anna Karenina“ und dem von Kritikern und Publikum gleichermaßen zerrissenen Fantasy-Epos „Pan“ wandelt Joe Wright wieder auf konventionelleren Pfaden und widmet sein treffend betiteltes Historiendrama „Die Dunkelste Stunde“ dem bedeutendsten, gleichwohl exzentrischsten Staatsmann in der ausgedehnten Geschichte des Vereinten Königreichs. Schlussendlich erweist sich die zeitnahe Inaugenscheinnahme von Wrights inzwischen siebenter Regieführung nicht nur dank seines herausragenden agierenden Hauptdarstellers als ausgesprochen heilsame Erfahrung, sondern auch wegen des unverkennbaren, gekonnt zwischen Nüchternheit und Überzeugungskraft pendelnden Gespürs für ein düsteres, folgenreiches Kapitel europäischer Geschichte, das nicht nur der bloßen Würdigung des Wirkens von Sir Winston Churchill (1874 – 1965) ausgerechnet im Jahr 2017 gefertigt worden ist. Zusätzlich dürfte es Bände sprechen, sich an einem frühen Sonntagnachmittag inmitten eines restlos ausverkauften Kinosaals wiederzufinden, das während des kompletten Abspanns innehielt…

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Meine Top-10 der schönsten Weihnachtsfilme aller Zeiten!

Nachdem ich vor nunmehr drei Jahren bereits meine Affinität für klassische Märchenfilme preisgab und ein Jahr darauf meinen persönlichen, ungeschlagen liebsten Weihnachtsfilm präsentiert habe, bildet der heutige Heiligabend wohl den perfekten Zeitpunkt, in aller Kürze auch auf andere Klassiker zu sprechen zu kommen, die zum „Fest der Liebe“ schlicht und ergreifend dazu gehören.

Ehrenvolle Erwähnungen gehen überdies an „Nightmare Before Christmas“, „Charlie & Die Schokoladenfabrik“, „Das Wunder Von Manhattan“, „Der Kleine Lord“ und sogar „Stirb Langsam“, welche allesamt fantastisch und für viele unverzichtbar sind an den Weihnachtstagen, dennoch liegen mir zehn (beziehungsweise sogar elf) Filme noch eine Kleinigkeit mehr am Herzen…

Im Namen des Teams von „Die Academy“ wünsche ich allen Lesern und Filmfans ein herrliches, gesegnetes und vor allem gesundes Weihnachtsfest!

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Star Wars: Episode VIII – Die Letzten Jedi (OT: Star Wars: The Last Jedi)

Zwei Jahre sind bereits wieder ins Land gezogen, seit „Das Erwachen Der Macht“ als Auftakt eines „Star-Wars“-Sequels die Kinosäle regelrecht eroberte, Fans der Saga und Kritiker gleichermaßen euphorisch stimmte sowie obendrein hinsichtlich des Einspielergebnisses zum dritterfolgreichsten Werk aller Zeiten avancierte. Zusätzlich erhielt der siebente Teil satte fünf Oscarnominierungen – und damit so viele wie die zwischen 1999 und 2005 veröffentlichten Episoden zusammen addiert. Auch „Die Letzten Jedi“ erlebt seit seiner Enthüllung vor wenigen Tagen in finanzieller Hinsicht erwartungsgemäß einen Bilderbuchstart, dennoch dürfte es innerhalb des inzwischen zur Oktologie herangereiften Franchises ein absolutes Novum darstellen, dass das Kritikerecho die Publikumswertung um ein Vielfaches überflügelt. Angesichts des aus meiner Sicht an Wagemut und Innovation mangelnden und allzu sichere Wege bestreitenden Vorgängers erfolgte die Inaugenscheinnahme des achten Streichs mit gedämpften Erwartungen. Freilich stellte es darüber hinaus ein risikoreiches Unterfangen dar, die Regieführung einem verhältnismäßig leinwandunerfahrenen Mann anzuvertrauen, der zuvor lediglich zwei (!) Spielfilme inszenierte, außerdem gestaltete es sich als Mammutaufgabe, narrativ mit dem viel zu frühen Tod von Carrie Fisher umgehen zu müssen. Schlussendlich jedoch hinterlässt Rian Johnson mit dem zweieinhalbstündigen Epos einen überraschend starken, bildgewaltigen, aber auch wohldurchdachten und nicht nur in handwerklichen Belangen entwaffnenden Eindruck.
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